01 · Datenauswertung
190 Unfälle, 13 Jahre, ein Korridor
Grundlage ist der offene Unfallatlas der Statistik Austria: alle polizeilich erfassten Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden 2013–2025 entlang der rund 1,3 km langen Reichsstraße, ausgewertet nach der Beteiligung von Fußgängern und Radfahrern.1
Zeitverlauf
Unfälle pro Jahr
Über die 13 Jahre schwankt das Niveau ohne klaren Trend zwischen 8 (2014) und 23 Unfällen (2022). Eine Bewertung in Richtung „mehr" oder „weniger" wäre ohne Normierung auf die Verkehrsstärke unseriös — die Reihe dient hier der Einordnung der Häufungs-Auswertung, nicht als Entwicklungsaussage.
Unfälle mit Personenschaden je Kalenderjahr, gesamter Abschnitt Nord–Süd. Höchstwert 2022 hervorgehoben. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas — eigene Auswertung.
Räumliche Verteilung
Sieben Häufungsstellen entlang der Reichsstraße
Die Unfälle verteilen sich nicht gleichmäßig, sondern bündeln sich an den Knotenpunkten. Die folgende Tabelle ordnet sie von Nord nach Süd und weist für jeden Bereich die Fuß-/Radfahrer-Quote (VRU) sowie das dichteste Dreijahresfenster aus — die Bezugsgröße des amtlichen Unfallhäufungsstellen-Kriteriums.
| Bereich (Nord → Süd) | Querstraßen | Status | Unfälle | Rad | Fuß | VRU | VRU % | dichtestes 3-J-Fenster |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lustenauerhof (Nord) | Rheindorferstr. (Nordast) | nur Unfallkarte | 21 | 5 | 0 | 5 | 24 % | 12 (ab 2015) |
| Linde | Rheinstr. / Amann-Fitz-Str. | analysiert | 26 | 4 | 4 | 8 | 31 % | 11 (ab 2020) |
| Quellen-/Rheindorferstraße | Quellenstr. / Rheindorferstr. | analysiert | 15 | 3 | 2 | 5 | 33 % | 7 (ab 2020) |
| Blumenaustraße | Blumenaustr. / Roseggerstr. | analysiert | 46 | 8 | 1 | 9 | 20 % | 12 (ab 2013) |
| Rudolfstraße | Rudolfstraße | Lücke | 20 | 4 | 1 | 5 | 25 % | 6 (ab 2015) |
| Damm-/Schillerstraße | Dammstr. / Schillerstr. | Lücke | 41 | 9 | 3 | 12 | 29 % | 17 (ab 2022) |
| Süd / Rheinbrücke | Kirchstr. / Reichshofstr. | Lücke | 21 | 8 | 0 | 8 | 38 % | 7 (ab 2019) |
| Gesamt | L203 Nord–Süd (~1,3 km) | 190 | 41 | 11 | 52 | 27 % | — |
Die wichtigste Lücke
Die beiden kritischsten Häufungen — Damm-/Schillerstraße (41 Unfälle, davon 17 allein im Fenster ab 2022, und mit 12 die höchste VRU-Zahl im Abschnitt) und der Südabschnitt an der Rheinbrücke (38 % — die höchste VRU-Quote) — wurden in der ursprünglichen Sichtweiten-Studie nicht erfasst. Die Auswertung legt nahe, die Sichtanalyse auf diese Knoten auszuweiten.
Schwere · Ursachen · Typen
Was die amtlichen Merkmale je Unfall zeigen
Zu jedem Korridor-Unfall liegen im Atlas Verletzungsgrad, Unfalltyp, vermutliche Ursache und die beteiligten Verkehrsarten vor. Sie wurden hier erstmals ausgewertet. Das Bild bestätigt den Abbiege- und Kreuzungskonflikt als Kern des Problems — und zeigt zugleich, dass die amtliche Schwerebilanz die Lage von 2026 noch nicht abbildet.1
Zur Zahl: Maßgeblich ist die Auszählung des übergebenen Berichts — 190 Unfälle im Korridorstreifen von höchstens 30 Metern beidseits der Straßenachse. Sie ersetzt zwei frühere, unvollständige Auszählungen (171 in der ersten Studienfassung, 174 in einer Zwischenfassung dieser Website). Grund: Der Atlas-Kartendienst liefert je Abfrage höchstens zehn Punkte; dicht belegte Knoten wurden erst durch adaptive Verfeinerung des Abfrageraster vollständig erfasst und über die eindeutige Unfallkennung entdoppelt. Alle Zahlen dieser Seite stammen aus diesem Datensatz und stimmen mit dem PDF-Bericht überein.
Warum nur eine tödliche Person in der Statistik?
Der offene Atlas reicht nur bis 2025. Die zwei tödlichen Radunfälle 2026 (Mai und Juni, beide mit abbiegendem Lkw) sind darin noch nicht enthalten. Die amtliche Bilanz von einem Getöteten (2013–2025) unterzeichnet die reale Gefährdung — die Chronik führt die aktuellen Fälle. Bemerkenswert: von den 16 schwersten Unfällen (schwer + tödlich) trafen 9 ungeschützte Verkehrsteilnehmer (Rad, Fuß, Moped).
| Vermutliche Hauptursache | Unfälle | Anteil |
|---|---|---|
| Unachtsamkeit / Ablenkung | 69 | 36 % |
| Vorrangverletzung | 46 | 24 % |
| Mangelnder Sicherheitsabstand | 21 | 11 % |
| Nichtangepasste Geschwindigkeit | 10 | 5 % |
| Missachtung von Geboten/Verboten | 9 | 5 % |
| Sonstige / nicht klassifizierbar | 35 | 18 % |
- 45 % aller Unfälle (85 von 190) sind Kreuzungs-, Abbiege- oder Einbiege-/Ausfahrtstypen — die häufigsten Einzeltypen sind Kollision bei Aus-/Einfahrt (18), Auffahren im Kreuzungsbereich (15) und Kollision auf der Kreuzung (14).
- Vorrangverletzung ist mit 24 % die zweithäufigste Ursache — der statistische Fingerabdruck des Abbiege-/Kreuzungskonflikts, um den sich diese Auswertung dreht.→
- Alleinstürze (Sturz vom/im Fahrzeug, 19) betreffen überwiegend Zweiradfahrende und deuten auf Fahrbahn- und Infrastrukturmängel entlang des Korridors.
Beteiligung
Wer war mit wem beteiligt
Die Konfliktmatrix zählt für jede Kombination von Verkehrsarten die Zahl der Unfälle, an denen beide beteiligt waren. Sie macht den zentralen Befund sichtbar: Radfahrer und Fußgänger geraten fast immer mit motorisiertem Verkehr in Konflikt — am häufigsten mit dem Pkw.
| Fußg. | Rad | Moped | Motorrad | PKW | Lkw | Σ beteiligt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fußgänger | 2 | 0 | 0 | 0 | 8 | 1 | 11 |
| Radfahrer | 0 | 17 | 0 | 1 | 21 | 2 | 41 |
| Moped | 0 | 0 | 5 | 0 | 9 | 0 | 14 |
| Motorrad | 0 | 1 | 0 | 3 | 14 | 0 | 18 |
| PKW | 8 | 21 | 9 | 14 | 88 | 12 | 152 |
| Lkw | 1 | 2 | 0 | 0 | 12 | 1 | 16 |
- Häufigster VRU-Konflikt: Radfahrer × Pkw = 21. Fußgänger × Pkw = 8.
- Lkw jetzt eigens ausgewiesen: Der Merkmalsauszug trennt Lkw von Bus und Sonderfahrzeug — 16 Korridor-Unfälle mit Lkw-Beteiligung, davon 3 mit Rad oder Fußgänger. 17 Radunfälle sind Alleinstürze (Diagonale), was auf Fahrbahn- und Führungsmängel deutet.
- Die entscheidende Diskrepanz: Lkw ergeben statistisch nur wenige VRU-Fälle, sind in der Schwere aber dominant — der einzige im Atlas erfasste Verkehrstote (2020) war ein Fußgänger, erfasst von einem Lkw; 2026 kamen zwei Radfahrer durch abbiegende Lkw hinzu. Lkw-Unfälle sind selten, aber überproportional tödlich →